Ende gut - alles gut?
Das Umweltjahr ist um: Es lebe das Umweltjahr! Es wurden Blumenzwiebeln und Fahrräder gepflanzt, es wurden verfremdete Holzobjekte und einheimische Fischarten ausgestellt, es wurde gesät, erforscht, erkundet und gekocht, es wurde überarbeitet und unterrichtet, angeboten und nachgefragt, beantwortet, belehrt und bekehrt. Ein wirklich großer Meilenstiefel-Schritt in Richtung aktivem Klima- und Umweltschutz war es jedoch bei weitem nicht, nur ein vorbeigewehter Hauch, was alles möglich wäre.
Für eine nachhaltige, wirkungsvolle, beständige und tiefsinnige Umgestaltung einer Stadt zu einer umweltgerechten und naturbewussten Lebensform bedarf es genereller Renovierungsarbeit und nicht nur netter Fassadenmalerei aus abwaschbarer Schminke. Eine logische Fortführung des diesjährigen Friedens-Nobelpreises wäre ein radikales Umdenken in aller bisherigen Umweltpolitik. Es reicht nicht nur, Wunden zuzupflastern, es genügt nicht, Aktionismus zu starten und sich selbst zu loben - um das Klima zu retten, muss die Notbremse gezogen und der Zug auf ein anderes Gleis gelenkt werden. Und diese neue Weichenstellung ist gar nicht so schmerzlich, wie es scheint.
Dennoch hat auch die Stadtverwaltung Erlangens sich gescheut vor wirklich konsequentem Handeln: Keine Spur von einer drastischen Reduzierung des (verbrennungs-)motorisierten Straßenverkehrs, kein eindeutiges Bekenntnis zum konsequenten Einsatz erneuerbarer Energien, weder bei den Stadtwerken, noch bei den Bauvorschriften, keine Kontrolle von energieverschwenderischen Einrichtungen und Sanktionen hierfür, keinen Mut, einen Weg zu gehen, den bisher noch keiner gegangen ist.
Wenn ich diese radikale Meinung im direkten Gespräch äußere, höre ich stets: Aber man kann das doch nicht alles ändern! Das geht doch gar nicht! Und ob das geht! Und warum, das gehen muss, werden uns der Klimawandel und seine Folgen schon bald zeigen: Um unseren Kindeskindern und deren Enkeln eine lebenswerte Natur und Umwelt zu hinterlassen, müssen wir bereit sein, unser jetziges Handeln völlig umzustellen. Dies umzusetzen ist mein Wunsch für die Zukunft - nicht nur an und für meine Stadt.