Das erste deutsche Zellstofftaschentuch mit dem prägnanten Markennamen meldeten die Vereinigten Papierwerke Nürnberg 1929 beim Reichspatentamt an. Es brauchte nur drei Worte, um den Produktvorteil auf den Punkt zu bringen: kein Waschen mehr! Das Stammwerk befand sich in Heroldsberg, später kamen die Papierwerke Forchheim hinzu. Nur vier Jahre nach der Markteinführung war die jährliche Produktion bereits auf 35 Millionen Stück angestiegen.
Dem wachsenden Hygienebewusstsein halfen die Tempo-Macher in Reimform auf die Sprünge: "Bazillen fahren Straßenbahn, ich schaff mir Tempo-Taschentücher an." 1935 übernahm Gustav Schickedanz, der Gründer des Fürther Großhandels "Versandhaus Quelle", Werk und Marke. Bis dato waren die Taschentücher von Heimarbeitern oder in Nürnberger Wohlfahrtswerkstätten gefaltet worden. Der durchgängige Einsatz von Verarbeitungsmaschinen steigerte den Jahresausstoß 1935 bereits auf das Vierfache von 1933. Tempo traf den Zeitgeist und blieb ihm auch in den folgenden Jahrzehnten auf den Fersen.
Der Packungsinhalt wurde immer wieder im Hinblick auf Weichheit, Reißfestigkeit und seine praktische Entfaltung revolutioniert. Die Hülle entwickelte sich von der Brech- und Mehrfachverpackung hin zur Folienweichverpackung, die seit Ende der 80er Jahre wiederverschließbar ist. Da kam der heute 77-jährige Klassiker übrigens schon nicht mehr aus Heroldsberg. Die Produktion wurde zwischen 1985 und 1987 nach Neuss am Rhein verlagert und ging 1994 von der VP-Schickedanz AG auf das US-amerikanische Unternehmen Procter & Gamble über.
www.tempo-web.de
www.procterundgamble.de
Bild: Procter & Gamble
Artikel aus: dürer 02.06